... Die Krone der Schöpfung ...

Sanft weht der Wind durch die Krone einer uralten Eiche, die sich hocherhobenen Hauptes gen Himmel reckt und deren Äste eine Heimstätte für unzählige, fröhlich singende Vögel bietet. Im kühlen Schattenspiel der Weisen sucht ein Reh mit ihrem Kitz, welches genüsslich an einigen Kräutern knabbert, Schutz vor der Mittagshitze. In der Nähe der Beiden plätschert verspielt ein kleiner Bach, aus welchem ein an dessen Ufer stehender Dachs seinen Durst mit dem erfrischenden Nass stillt. Der Frieden und die Harmonie des Bildes betten diesen Ort in eine wärmende Aura. Nichts vermag die Ruhe dieser Welt zu stören.

... ein Jahr später...

Niedergestreckt liegt sie dort, die alte Weise, Äxte aus Stahl waren ihr Schicksal. Neben ihr das unbekannte Grab des Kitzes, jener Ort, an dem es vor Hunger verendete, nachdem seine Mutter den Kugeln aus den brennenden Feuerstöcken der Teufel zum Opfer fiel. Der Dachs kam schon lange nicht mehr zum kleinen Bächlein, was mit ihm geschah, dass weiß niemand zu berichten. Vielleicht hat es etwas mit jenem Tage zu tun, als eine unbekannte Flüssigkeit, das Wasser des Baches in allen Regenbogenfarben strahlen ließ und er so zum Massengrab von hunderten Fischen wurde. Und auch das einst so fröhliche Singen der Vögel verstummte, als der Rauch der lodernden Schornsteine den Himmel verdunkeln ließ.

Da war sie also, die Krone der Schöpfung. Da war er also, der Mensch.


ca. 2004